Zurück zur Startseite Extreme Wintererfahrungen Frostig kalt in Deutschland?

Anmerkungen zum Winter 2009/2010


Der Winter ist in Deutschland normalerweise nicht sehr ausgeprägt. Besonders im Rheinland kann er auch ohne Weiteres ganz ausfallen. Wenn es einmal schneit, dann oft genug nur deshalb, weil vom Atlantik her ein Regengebiet hereinzieht und kalte Luft verdrängt. An der Vorderseite eines solchen Regengebietes vermischen sich die Luftmassen, so dass der Niederschlag zunächst als Schnee herunterkommt.
Werden die Schneeflocken richtig groß, gibt es meistens schon bald Tauwetter! An den manchmal beeindruckend groß werdenden Flocken erkennt man, dass es wärmer wird. Ein paar Stunden später regnet es. Der gefallene Schnee taut rasch wieder weg.
Die Temperaturen liegen häufig den ganzen Winter über deutlich über dem Gefrierpunkt, manchmal sogar deutlich über zehn Grad. Ende Februar 1990 erlebte man in Westdeutschland einen Tag mit einer Höchsttemperatur von 21 Grad! Der Grund für die Tendenz zur Milde ist der Golfstrom. Diese warme Meeresströmung transportiert so viel Energie nach Europa, dass sie sich deutlich in den Wintertemperaturen widerspiegelt.

Manchmal aber kommt auch in Deutschland, Mitteleuropa, ja sogar in West- und Südeuropa alles ganz anders: In Skandinavien und über dem Norden Russlands sammelt sich extreme Kälte. Irgendwann setzt sie sich nach Südwesten in Bewegung, und wenn dieser Vorstoß sehr massiv ist, kann dies europaweit zu einem wochen- oder gar monatelangen strengen Winter führen.
Besonders markant passierte dies zur Jahreswende 1978/79. Zu Weihnachten und einige Tage danach war es noch sehr mild und regnerisch. Bis zu 15 Grad wurden erreicht. Doch kurz vor Jahresende fegte ein außergewöhnlicher Schneesturm über Schleswig-Holstein hinweg. Da er einen weiten Weg über die Ostsee nahm, war die Luft stark mit Feuchtigkeit angereichert, und so schneite es sehr ergiebig. Die Orkanböen türmten Schneeverwehungen von mehr als vier Metern Höhe auf. Der gesamte Verkehr auf allen Straßen brach zusammen, alle Schulen waren geschlossen, und das Einzige, womit die Menschen beschäftigt waren, war der Kampf gegen die Schneemassen. Die Bundeswehr musste helfen, Verkehrsverbindungen frei zu räumen und eingeschneite Autos zu bergen. Oft hatte man große Mühe, die Fahrzeuge überhaupt zu entdecken. Zur Homepage des Stern. 
Titelbild: Eingeschneite Autos auf der 
A7 zwischen Schleswig und Flensburg im Katastrophenwinter 1978/79.
Bewohner von Einfamilienhäusern hatten teilweise das Problem, dass ausgerechnet an der Seite des Gebäudes eine Schneewehe bis zur Dachrinne lag, auf der sich der Eingang befand. In zahlreichen Orten brach die Energieversorgung zusammen. Krankentransporte gab es nur noch in dringenden Notfällen per Hubschrauber. Selbst viele Räumfahrzeuge konnten sich nicht mehr durch den Schnee hindurchkämpfen. Das Land war tagelang völlig gelähmt.
Selten so viel Schnee vor der Tür gehabt! Einen Tag vor Sylvester zog vor der markanten Schneefront ein starkes Sturmtief her. Dahinter wurde die polare Kaltluft noch einmal kräftig nach Süden gezogen und überflutete in den nächsten Tagen ganz Europa.

Im Rheinland staunte man am Sylvestermorgen nicht schlecht: Hatte es am Vortag noch Nieselregen bei über zehn Grad gegeben, lag nun eine über zehn Zentimeter hohe Schneedecke.
Die Temperatur lag nun den ganzen Tag über bei zehn bis vierzehn Grad unter Null und sank bis zum Jahreswechsel auf minus neunzehn Grad. Ich weiß noch, dass uns der kurz vor Zwölf eingeschenkte Sekt in den Gläsern festgefroren war, als wir vor dem Haus um Null Uhr mit den Nachbarn auf das neue Jahr anstoßen wollten.
Dieser ungewöhnlich strenge Winter brachte noch eine Menge Schnee, und Schneeschippen wurde zum meistbetriebenen Sport. Bis zu 37 Zentimeter lagen im Raum Düsseldorf, und das ist für diese Gegend sehr selten!

Das gilt auch für das Zufrieren sämtlicher Baggerlöcher, auf denen man ohne Gefahr spazieren gehen konnte.
Selbst im Rheinland lag viele Wochen lang Schnee, im strengen Winter 1979!
Dieser hier wurde für einen Schneemann ungewöhnlich alt! Die Kinder hatten im Winter 1979 ihren Spaß beim Schlittenfahren und Schneemänner bauen - etwas, was in den neunziger Jahren zumindest im Rheinland fast gar nicht möglich war. Für die Schulkinder gab es noch eine bemerkenswerte Überraschung: Wegen einer extremen Glatteissituation mussten sie vielerorts drei Tage lang nicht zur Schule!
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