Zurück zur Startseite Sturmerfahrungen von Lesern Sturmwarnungen des DWD
Die letzte todbringende Sturmflut

17. Februar 1962 in Hamburg: Eine gespenstische Nacht! Es ist düster, es regnet, und ein ungeheurer Sturm heult. Dennoch vermuten die Einwohner keine besondere Gefahr. Sie ahnen nicht, dass der Orkan diesmal wesentlich mehr Wasser die Elbe hinauf drückt, als sie es bei solchen Wetterlagen gewohnt sind. Und dann passiert das große Unglück: An mehreren Stellen werden die Deiche überspült und von der Hinterseite her weggebrochen. Schließlich geben sie nach, und mit enormer Gewalt überströmen die eiskalten Fluten das Land!

Ein Mann erkennt frühzeitig die riesige Gefahr, die seinen Landsleuten droht: Helmut Schmidt, damals Innensenator und später Bundeskanzler. Unter völliger Beiseitestellung der Frage, wer nun welche Kompetenzen habe und was er nach Paragraph x dürfe und was nicht, organisiert er mit Hilfe einiger einflußreicher Freunde eine vorbildliche und schnell handlungsfähige Rettungsaktion, die vermutlich Tausende vor dem Tod bewahrt hat. Dennoch läßt es sich leider nicht verhindern, dass bei dieser letzten großen Sturmflutkatastrophe über 300 Menschen ihr Leben verlieren.

Man hat aus diesem Ereignis gelernt: Ein Gesamtkonzept zum Schutz vor Hochwasser für die gesamte deutsche Nordseeküste wurde entwickelt. Die Dämme wurden erhöht und ihre Konstruktion wurde überdacht. Man entwickelte ein Profil, das verhindern sollte, dass überströmendes Wasser die Deiche von hinten aushöhlt. Die große Bewährungsprobe wurde am 3. Januar 1976 bestanden, als ein Orkan das Wasser noch höher steigen ließ als 1962: Alle Deiche hielten dem Angriff des Meeres stand.

Damit wurde eine Zeit eingeläutet, in der Sturmfluten nicht mehr den Tod unzähliger Menschen bedeuten. In früheren Jahrhunderten hatten sie manchmal unvorstellbare Ausmaße, vertrieben manchmal sogar zahllose Bewohner für immer vom Meeresufer. So zum Beispiel 1362: Am 16. Januar sucht eine extreme Sturmflut die Nordseeküste heim. Viele Dörfer und "Wendingstadt" auf Sylt werden weggerissen. Inseln werden in ihrem Umriss verändert oder zerteilt, wie zum Beispiel Borkum, das früher viel größer war. Tausende von Menschen ertrinken. Viele Überlebende haben alles verloren und wandern aus.

1446 vernichtete eine Sturmflut 16 Dörfer und kostete vermutlich 100.000 Menschen das Leben! Nicht nur die enorme Zahl von Opfern ist bemerkenswert, sondern auch, dass diese Katastrophe sich im April ereignete!

Nicht nur die Nordsee kann von sehr schweren Sturmfluten getroffen werden, die große Schäden anrichten und Menschenleben kosten. Das kommt auch an der Ostsee vor. Zwei herausragende Beispiele sind die Flut vom 16. Oktober 1449 und die vom 10. Februar 1625.

Heftige Orkane auch im Binnenland möglich!

Während schwere Stürme am Meer und auf den Inseln häufig vorkommen, sind sie im Binnenland selten. Aber sie können dort durchaus dieselbe Geschwindigkeit erreichen! Beispiele dafür bieten die Jahre 1990 und 1999.

1990 war der Winter eigentlich gar keiner. Es war unglaublich mild, ja sogar gelegentlich richtig warm. So wurden an manchen Orten Ende Februar über zwanzig Grad gemessen! Die Menschen saßen in Gärten und Cafés und wunderten sich.

Letzteres taten sie gewiss auch, als eine beispiellose Serie von Orkanen über das Land zog. Mal war der Norden stärker betroffen, mal der Süden. Berüchtigt sind vor allem zwei dieser für deutsche Verhältnisse ungeheuer heftigen Stürme: Vivien und Wiebke. Sie legten ganze Wälder um und brachten Böen bis 200 Stundenkilometer!

Damit waren sie aber beinahe niedlich gegen einen Sturm, der nicht nur wegen seiner Stärke Aufsehen erregte: Lothar! Er verdarb im Jahr 1999 so Manchem das Weihnachtsfest! Seine Spitzenböen lagen deutlich über 200 Km/h. Auf den Bergen sogar ganz erheblich darüber. Auf dem Feldberg im Schwarzwald wurde der Windmesser bei 250 Km/h zerstört. So kann man nur darüber spekulieren, wieviel schneller der Wind gewesen sein mag.

Lothar, wie schon erwähnt, machte auch aus anderem Grunde von sich reden: Er wurde vom Deutschen Wetterdienst übersehen! Der Grund: Zwar übermittelten die Meßstationen in Frankreich korrekte Werte von dem extrem schnell fallenden Luftdruck, doch war die Software so eingestellt, dass sie diese Werte als "unrealistisch" markierte und nicht berücksichtigte. Man hat daraus gelernt ... .
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