Zurück zur Startseite Lesererfahrungen mit Hochwasser Wasserstände bundesweit

In Zons gibt es ein altes Gasthaus, an dem sich viele Hochwassermarken befinden. Wie hoch kann der Rhein steigen?

Die Altstadt von Köln ist heute durch die mobilen Schutzwände bis zu einem Pegelstand von zehn Metern vor Hochwasser geschützt. Viele Stadtteile stehen allerdings dann schon längst unter Wasser, vor allem Rodenkirchen, Poll und Kasselberg, das schon bei 8,40m zur Insel wird.

Würde der Pegel 10,70m erreichen, müsste Katastrophenalarm ausgelöst werden. In diesem Jahrhundert ist das noch nicht passiert, aber zwei Mal war es ausgesprochen knapp: 1926 und 1995. In beiden Jahren erreichte das Hochwasser 10,69m, und 1993, nur dreizehn Monate vor der Überschwemmung von 1995, waren es 10,63m.

Anfang Januar 1926 wurde die Situation durch einen Orkan sehr erschwert. In Benrath, das heute zu Düsseldorf gehört, hatte damals eine Familie ein Restaurant auf einer kleinen Anhöhe und musste bei Hochwasser normalerweise nicht viel befürchten. Doch diesmal stieg das Wasser über alle Niveaus der letzten Jahrzehnte hinaus. Die Familie musste mitsamt ihrer Kuh in der Wohnung über dem Restaurant ausharren. In der Neujahrsnacht saßen sie dort voller Furcht, der Sturm heulte, und meterhohe Wellen donnerten gegen die Außenwand und ließen das Haus erzittern.

Ende Januar 1995, als der Rhein auf die 10,69m zusteuerte, rechnete man mit einer erheblichen Zuspitzung der Situation, denn der deutsche Wetterdienst erwartete, dass sich vor allem über dem Einzugsgebiet der Mosel ein weiteres intensives Regengebiet ausbreiten würde. Das hätte durchaus noch einmal eine Erhöhung des Pegels um einen halben Meter bedeuten können. Wohl niemand war wegen dieser Fehlprognose böse!

Natürlich ist es recht schwierig, zuverlässige Daten über Hochwasserkatastrophen aus früheren Jahrhunderten zu sammeln. Regelmäßige Aufzeichnungen sind eine vergleichsweise neue Erfindung. Zum Glück aber haben viele Hausbesitzer immer wieder Markierungen an ihren Hauswänden angebracht. Sehr alte Gebäude liefern somit eine recht gute Basis, Überschwemmungen zu vergleichen. An einem Restaurant an der Autofähre Zons, zwischen Köln und Düsseldorf finden sich besonders viele und gut lesbare Markierungen. Wenn man von Düsseldorf-Urdenbach dort hin fährt, liegt es vorne rechts.
Aus dieser und anderen Überlieferungen geht hervor, dass die besonders großen Hochwasser von 1926 und 1995 schon einige Male übertroffen wurden: 1595, 1651, 1658, und vor allem 1784 und 1374. Das Hochwasser von 1651 trat in der zweiten Junihälfte auf. Im Unterschied zur Donau kommt dies am Niederrhein sehr selten vor, erst Recht in dieser Größenordnung! Normal sind große Überschwemmungen im Winter oder im Frühjahr. Autofähre Zons
1783 brach in Island ein gewaltiger Vulkan aus. Dabei wurden nicht nur extreme Mengen an Lava ausgespuckt, sondern auch viele Giftstoffe und feiner Staub. Das Gift tötete in Europa viele Viehherden, während der Staub und bestimmte vulkanische Gase die Einstrahlung der Sonne störten. Vermutlich deshalb kam es in den Monaten danach zu ungewöhnlichen Wetterereignissen in Europa: Der Winter 1783/84 war außerordentlich kalt. Der Rhein, alle Nebenflüsse und der Bodensee froren zu. Es gab sehr viel Schnee. Im Februar setzte dann plötzlich massives Tauwetter ein und es regnete sehr stark. Die Folge war ein Jahrtausendhochwasser, das zu allem Unglück tonnenschwere Eisschollen mit sich führte. Ganze Dörfer wurden damals völlig zerstört, und es kamen Tausende von Menschen um's Leben.
Die andere der beiden größten Hochwasserkatastrophen des zweiten Jahrtausends fand im Jahr 1374 statt. Es dauerte praktisch die gesamte erste Jahreshälfte an, mal weniger hoch, mal extreme Werte erreichend. In Köln dürfte der Pegel maximal 13,35m erreicht haben. Diese Höhe markiert also die Spitze dessen, was bisher am Rhein abflußbedingt passieren konnte. 1784 kam allerdings zu den enormen Wassermassen hinzu, dass die riesigen Mengen an Treibeis sich hier und da zu Blockaden formierten, so dass es lokale Staueffekte gab. So dürfte sich der Pegel in Köln bis 13,55m aufgestaut haben, was die katastrophale Lage noch erheblich verschärfte. Über die Pegelstände während der gewaltigen Rheinüberschwemmung im Jahre 886 lassen sich leider keine Angaben machen. Klar ist nur, daß diese Katastrophe denen von 1374 und 1784 in der Höhe mindestens ebenbürtig und mit der von 1374 auch der Dauer nach ähnlich war. Der Dom selbst ist 
absolut hochwassersicher!
Sicher ist, dass sich durch bauliche Maßnahmen an den Gewässern Hochwasser heute deutlich schneller aufbaut als früher. An der Mosel wurden schon Anstiege von fast fünf Metern innerhalb von nur 24 Stunden beobachtet. Das Wasser steigt im statistischen Durchschnitt auch höher. Dazu kommt, dass nach jüngsten Daten damit zu rechnen ist, dass starke Regenfälle sich bei uns häufen werden. Daher wird vielerorts der Hochwasserschutz verstärkt. Um Köln herum wird das Ziel verfolgt, die bewohnten Gebiete bis zu einem Wasserstand von 11,70m sicher zu machen. Gleichzeitig gibt es ein Projekt aller Rheinanliegerstaaten, das Retentionsräume schaffen und so in einigen Jahrzehnten die Hochwasserspitzen um bis zu 70 Zentimeter absenken soll.

  Extremes Niedrigwasser   
        gibt viel Müll frei,  
  vor allem Einkaufswagen, 
    Reifen und Zweiräder!  Und wie tief kann das Wasser sinken?

Wahrscheinlich auf "Null". Jedenfalls ist aus uralten Notizen zu entnehmen, dass der Rhein wohl in den Jahren 1473 und 1540 ausgetrocknet ist!
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