Zurück zur Startseite Heiß in Deutschland?
Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen 1975

Nichts gegen Sonnenschein. Er lockt uns an die frische Luft, hebt die Stimmung, wärmt uns und ist sogar für viele der Hauptgrund, im Urlaub zu verreisen. Was aber, wenn es nur noch Sonnenschein gibt, wochenlang, monatelang?

In jüngerer Geschichte gibt uns das Jahr 1975 ein Beispiel: Am achten, neunten und zehnten August brachen in den Landkreisen Lüchow-Dannenberg, Celle und Gifhorn in Niedersachsen zahlreiche Waldbrände aus. Deren Bekämpfung stellte sich als außerordentlich schwierig heraus, da die Landschaft durch zu wenig Niederschlag und eine große Hitzewelle extrem stark ausgetrocknet war. Das Feuer ließ sich von Löschversuchen kaum beeindrucken und breitete sich rasend schnell über riesige Flächen aus.

Schließlich entwickelte sich daraus die größte Waldbrandkatastrophe, die Deutschland je erlebt hat. 15.000 Helfer, davon 8000 Soldaten, mussten gegen die Flammen eingesetzt werden. Aus Südfrankreich kamen spezielle Löschflugzeuge, die "im Flug" Wasser aus einem See oder Fluß holen können.

Viele Siedlungen konnten nur knapp vor den Flammen gerettet werden. Teilweise schlug die Bundeswehr mit Panzern breite Schneisen in den noch nicht brennenden Wald, damit das Feuer sich nicht über diese Grenzen hinaus ausbreiten konnte.

Es dauerte eineinhalb Wochen, bis die Lage unter Kontrolle war. Zwischen 8.000 und 10.000 Hektar Wald waren vernichtet, und leider sind elf Menschen umgekommen. Besonders tragisch: Der Tod mehrerer Feuerwehrleute war die Folge sinnlosen Kompetenzgerangels verschiedener Stellen. Immerhin führte diese Tragödie dazu, dass die Katastrophenbekämpfung in Niedersachsen sowohl technisch als auch organisatorisch erheblich verbessert wurde.

Heiße und trockene Sommer

Sommer wie 1975 hat es in Deutschland selten, über Jahrhunderte betrachtet jedoch immer wieder gegeben. Während sie heutzutage gelegentlich dazu führen, dass dazu aufgerufen wird, keine Autos zu waschen und die Gärten nicht zu bewässern, waren die Auswirkungen früher erheblich dramatischer. Im Jahre 987 zum Beispiel fiel wegen extremer Hitze und Trockenheit die Ernte komplett aus. 993, 994, 999, 1000, 1004, 1005, 1007, 1056, 1387, 1473, 1540, 1676, 1683, 1718 und 1857 brachten ebenfalls für unsere Verhältnisse ungewohnte Dürresommer, die für Viele den Ruin oder gar den Tod bedeuteten.

Wie schon 999 und 1000, soll auch 1473 und 1540 der Rhein ausgetrocknet sein. Die Sommer dieser beiden Jahre gelten als die heißesten und trockensten des letzten Jahrtausends. Das Jahr 1540 brachte so große Wassernot, dass es eine gewaltige Zahl an Opfern gab. Viele Menschen und Viehherden kamen um. Das Gras war braun und die Bäume warfen mitten im Sommer ihre Blätter ab. Dort allerdings, wo es noch Wasser gab, konnte man selbst um die Weihnachtszeit noch baden gehen!

Im Jahre
2003 wurden wir Zeugen des heißesten Sommers seit 1540! Wir können uns glücklich schätzen, in einer hochmodernen Zivilisation zu leben, denn sonst hätten wir in diesem Jahr Wassernot und Hunger durch Ernteausfälle erlebt!
Und wenn es keine Gewässerregulierung und Talsperren gäbe, wären einige Flüsse schon längst ausgestrocknet, und an anderen wären die extrem niedrigen Pegelstände noch erheblich niedriger ausgefallen!
Hier eine Übersicht über die am Rhein erreichten Rekorde:

Pegelort
Niedrigster bekannter Pegelwert in cm
gemessen im Jahre
Konstanz
226
1858
Maxau
231
1885
Speyer
152
1954
Mannheim
90
2003
Worms
15
2003
Mainz
110
1947
Bingen
32
1985
Kaub
33
2003
Koblenz
24
2003
Andernach
32
2003
Bonn
88
2003
Köln
79
2003
Düsseldorf
38
2003
Wesel
110
2003
Emmerich
27
2003

Da die regelmäßigen Temperaturaufzeichnungen nicht allzu lange zurückreichen, ist es nicht leicht, eine Angabe darüber zu machen, wie heiß es in Deutschland maximal werden kann. Sicher ist, dass in neuerer Zeit, auf jeden Fall 1983, 1947 und 2003, vereinzelt 40 Grad erreicht oder knapp überschritten wurden. Verschiedene Analysemethoden bestätigen, dass dies früher auch schon so gewesen sein muss. Deutlich über 40 Grad Celsius gelten allerdings in Deutschland als äußerst unwahrscheinlich.
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