Ein halbes Jahr Hochwasser!

Praktisch die ganze erste Hälfte des Jahres 1374 stand in Deutschland im Zeichen großer Überschwemmungen. Einen ersten Höhepunkt erreichten sie in der ersten Januarwoche.

Bis Anfang Februar gingen die Pegel dann wieder langsam zurück, um ab dem neunten erneut kräftig zu steigen. Besonders das Einzugsgebiet des Rheins war schwer betroffen.

Bis Ende Mai zogen immer wieder Regenfronten über das Land und verschärften die Hochwasserlage. Kaum waren die Pegel ein paar Zentimeter gefallen, stiegen sie auch schon wieder an. In Köln wurde die Zehnmetermarke mehrmals deutlich überschritten. Der höchste Scheitel dieser Serie von Hochwasserwellen erreichte dort 13,35m, und dies tatsächlich abflussbedingt! Im Februar 1784 wurden zwar 13,55m gemessen, aber dieser Wert wurde nur durch die vorübergehende Stauwirkung von Eisschollen möglich. Ohne Eisstau hätte der maximale Pegelwert des Hochwassers von 1784 bei "nur" ungefähr 11,60m gelegen, was natürlich auch schon katastrophal ist.

Eine Wiederholung des Rheinhochwassers von 1374, dem extremsten aller bekannten, wäre auch heute noch eine außerordentlich ernste und bedrohliche Katastrophe mit Gefahr für Leib und Leben, Schäden in Milliardenhöhe und erheblichem Einfluß auf die betroffenen Volkswirtschaften! Selbst die in jüngster Zeit errichteten sehr soliden Rheindeiche schützen das Hinterland nur bis zu einem Kölner Pegel von 12,90m. Auch mit Sandsäcken wäre es nicht mehr möglich, das Überströmen der Deiche zu verhindern, falls ein Hochwasser jemals wieder Wassermassen wie 1374 bringen sollte. Dieses ist und bleibt ein sehr seltenes Ereignis. Seine Eintreffwahrscheinlichkeit hat aber, wie die Hochwasserwahrscheinlichkeit insgesamt, zugenommen.

Erst im Sommer 1374 pendelten sich die Wasserstände wieder auf halbwegs normale Werte ein. Damit ging das wohl am längsten dauernde Hochwasser des Rheins und seiner Nebenflüsse endlich zu Ende.

Für die heute 2000 Jahre alte Stadt Zons, nördlich von Köln, hatte diese Dauerüberschwemmung ernste Folgen: Ein ehemaliger Teil der Gemeinde, auf dem auch das alte Römerkastell "Haus Bürgel" liegt, gehört seitdem zur anderen Rheinseite, da der Strom durch das Hochwasser seinen Lauf geändert hat!